„Was hat denn ein Förster mit Suppen und Desserts, Reduktionen und Terrinen zu tun?“
Hochgelobt und ganz bescheiden - Stefan Förster ist seit zwölf Jahren Chef de Cuisine im Hotel Savoy
Ruhig und konzentriert geht es in der kleinen, hochmodernen Küche zu, die - für jeden Gast einsehbar - an das in klassischem Rot und Gold gehaltene Restaurant Weinrot anschließt. Es scheint, als ob sich die sehr persönliche Atmosphäre des Restaurants bis in die Küche fortsetzt, eindeutig die Handschrift des routinierten Küchenchefs Stefan Förster. Er ist ein sehr ruhiger, besonnener, ja nahezu bescheidener Vertreter seiner Zunft, verliert nicht gerne viele Worte über seine Art zu kochen, zu führen und zu delegieren – aber die Qualität seiner Küche spricht Bände.
„Es ist sein Respekt vor und sein sorgfältiger Umgang mit dem Produkt, seine Fähigkeit, dem Produkt seine Ursprünglichkeit zu belassen und aus im wahrsten Sinne des Wortes herkömmlichen Zutaten hervorragende Gerichte zuzubereiten“, sagt Hans Eilers, seit 33 Jahren Direktor des Hotel Savoy und bekennender Gourmet. „Deshalb, und aufgrund seiner bemerkenswerten Teamfähigkeit haben wir die gastronomische Verantwortung für das Savoy in Stefan Försters Hände gelegt und diese Entscheidung noch keinen Tag bereut. Wir sind ein kleines, charmantes Traditionshotel und pflegen einen herzlichen Umgang mit unseren Gästen - eine sogenannte ‚Schreiküche’ wäre hier vollkommen unangebracht“, fügt er mit ein wenig Stolz hinzu.
Stefan Försters Küche ist unaufgeregt – genau wie er selbst. „Ich bevorzuge regionale und saisonale Produkte. Das Entscheidende ist gutes Handwerk und Ehrlichkeit. Wenn die Qualität der Zutaten stimmt und die Zubereitung handwerklich perfekt ist, werden auch einfache Gerichte zum Hochgenuss. Ich möchte ein Produkt nicht verfremden, sondern der Gast soll bei uns auf dem Teller in bestmöglicher Zubereitung finden, was er auf der Karte gelesen hat“, beschreibt Förster seine Küchenphilosophie.
Auf seinem Weg in das Hotel Savoy ist der gebürtige Görlitzer Stefan Förster in der Republik herumgekommen, lernte in Schwaben, ging danach in die Schweiz. Seine prägendsten Stationen waren das Rossini im Hilton Dresden, das Gewandhaus Hotel Dresden und das Park Hotel Egerner Höfe in Rottach Egern, wo er als Chef de Partie unter der Leitung von Sternekoch Michael Fell sein handwerkliches Können perfektionierte. Aus privaten Gründen zog es ihn im Jahre 2000 zurück in den Potsdamer Raum, wo er in Teltow eine berufsbegleitende Ausbildung zum Küchenmeister anstrebte. Zum damaligen Zeitpunkt war Andreas Müller Küchenchef im Savoy und so angetan von dem jungen Bewerber, dass er ihn sofort zu seinem Sous Chef machte und ihm darüber hinaus jene Freiheiten gewährte, die für den erfolgreichen Verlauf der Ausbildung notwendig waren. Schon 2002 avancierte Stefan Förster zum Chef de Cuisine und fand schnell zu seinem eigenen Stil. „In meiner Familie war Essen ein wichtiges Thema und schon als Kind habe ich den geselligen Aspekt eines guten Essens geschätzt. Kurz darauf entschied ich mich mit einer gewissen Blauäugigkeit, dass ich Kochen zu meinem Beruf machen würde. Eine sicherlich richtige Entscheidung, aber den zeitlichen Aufwand konnte ich damals bei weitem nicht ermessen.“
Der 38jährige ist Vater zweier Kinder und ein absoluter Familienmensch. Deshalb sieht er es als seine größte Herausforderung an, der Familie und dem Beruf gleichermaßen gerecht zu werden. Ein tägliches gemeinsames Frühstück ist im Hause Förster eine Selbstverständlichkeit, denn „wenn ich abends nach Hause komme, sind meine Kinder immer schon im Bett“.
Um Zeit für seine Familie zu haben, braucht Stefan Förster ein starkes und motiviertes Küchenteam, auf dass er sich hundertprozentig verlassen kann. Derzeit sind dies acht Köche und vier Auszubildende, die für die gleichbleibend hohe Qualität der Speisen bürgen, auch wenn der Chef mal nicht im Hause ist. Auf die Ausbildung seines Teams und die perfekte Umsetzung seiner Gerichte legt Stefan Förster gesteigerten Wert. „Manchmal wiederhole ich Dinge so oft, dass es nerven kann“, schmunzelt er.
Die Frage nach der größten Bestätigung in seinem Beruf beantwortet Stefan Förster mit seinen zwölf Jahren im Savoy. „Dass ich schon so lange hier koche und nicht nur unsere anspruchsvollen Stammgäste, sondern auch neue Kundenkreise überzeugen kann, gibt meiner Küche recht. Natürlich macht mich das Lob unserer Gäste, die wirklich viel herumkommen und Kenner guten Essens sind, auch ein bisschen stolz“, verrät er ein wenig widerstrebend, denn nichts fällt ihm schwerer, als sich in den Vordergrund zu stellen. „Die Konstanz und die geringe Fluktuation in meiner Mannschaft, die alle schon seit Jahren dabei sind und denen ich blind vertrauen kann, ist aber das Beste“, fügt er deshalb rasch hinzu und bewegt sich damit als Teamplayer schnell wieder auf vertrautem Terrain.
Wen wundert es da noch, dass der passionierte Tischtennisspieler, der seit Jahren für die Potsdamer Sportunion 04 in Punktspielen an der Platte steht, auch viel lieber im Doppel als im Einzel antritt.